Sabine Kupfer Mediation

24
Ja
Neue Wege gehen
24.01.2020 12:37

Neue Wege gehen - Wege aus den eigenen Inneren Konflikten


Das Leben zeigt uns immer wieder neue Wege. Manchmal sehen wir sie erst später, manchmal kommt die Erkenntnis einfach so und manchmal hilft das sogenannte Schicksal, neue Wege zu finden - und sie auch zu gehen.

Ich durfte das erfahren, denn in den letzten Monaten hat mich mein Leben auf die Probe gestellt, manches total durcheinander gewirbelt und mich geprüft.

Dazu hole ich ein wenig weiter aus.

Ich war viele, viele Jahre in einem schwäbischen Großunternehmen beschäftigt. Ich habe für dieses Unternehmen gebrannt, habe mich eingebracht, habe auch so manchen privaten Termin dafür untergehen lassen. Ja, das war meine Entscheidung und für mich war es zu dieser Zeit gut und richtig so.

Nach über 21 Jahren, die ich in dem Großunternehmen angestellt war, wurde der Geschäftsbereich in dem ich zu dem Zeitpunkt arbeitete, verkauft. Als Assistenz des Präsidenten des Bereichsvorstands war ich mit dafür verantwortlich, dass der Verkauf gut über die Bühne ging. Zumindest war ich der Meinung, dass ich auch mit dafür verantwortlich war und ich fühlte mich auch so. Und dadurch war ich zu vielen Überstunden und großem Einsatz fähig. Und auch das war in der Zeit richtig und gut für mich. Selbst wenn ich manchmal das Gefühl hatte, mich Sklavin selbst zum Sklavenmarkt treiben zu müssen, um dort verkauft zu werden. Ja, Tatsache, so habe ich mich manches Mal in diesem Verkaufsprozess gefühlt.

Doch hatte diese Zeit auch gute Seiten für mich, denn ich konnte mich neu einbringen, mich auf eine andere Art zeigen: Ich habe gelernt, Verhandlungen zu führen. Ich wurde bei Einstellungsgesprächen mit dazu geholt. Ich habe Veranstaltungen im Geheimen organisiert.
Und ich tat etwas, was ich schon mein Leben lang aus dem Bauch heraus tue, und hier konnte ich es verfeinern: ich habe oft und viel zwischen Konfliktparteien vermittelt.

So habe ich die Mediation entdeckt und wusste, dieses Können will ich verfeinern und weiter geben.

Der Verkauf ging weiter und nach dem Abschluss des Verkaufsprozesses bin ich aus dem Großunternehmen mit in die neue Firma gegangen. Damit habe ich das schwäbische Großunternehmen hinter mir gelassen.

Jedoch habe ich die Identifizierung mit dem Großunternehmen nur ausgetauscht mit der Identifizierung mit dem daraus hervorgehendem Unternehmen.
Durch diese starke Identifizierung habe ich mich erneut eingesetzt, eingesetzt für das neue Unternehmen. Gebrannt. Mich eingebracht. Private Termine sausen lassen. Mich vergessen. Mich ausgebrannt. Und dennoch: die Entscheidung war meine. Und zu dem Zeitpunkt fühlte sie sich richtig an.

Und nebenher habe ich an der Universität Stuttgart meine Ausbildung zur zertifizierten Mediatorin gemacht.

Auch im neuen Unternehmen habe ich im Hintergrund vermittelt, manchmal verhandelt, neue und alternative Wege gesucht. Und das bereitete mir Freude am Tun und an der Arbeit.

Und ich habe ein Versprechen gegeben, dass ich ich in meinem Job als Assistentin bleibe, bis die zeit gekommen ist, dass ich gehen kann. Gehen kann in neue Aufgaben, außerhalb der Assistenz, denn das war mein Traum. Wow, was für ein Versprechen, mir gegeben, meinem Chef gegeben, der Firma gegeben. Doch auch das war meine Entscheidung. Und auch diese fühlte sich richtig an.

Jedoch, manche Dinge kommen oft anders und ganz anders als geplant. Leben ist das, was passiert, während wir dabei sind, andere Pläne zu machen.

Mit einem Tag war für mich nichts mehr wie gehabt. Mein Chef wurde von jetzt auf nachher in den Ruhestand versetzt.

Ich stand vor der Frage: Was will ich denn eigentlich? Für mich war klar: Assistenz im Vorstand, das nicht mehr. Sekretariat und Assistenz: Nein, das auch nicht mehr. Das habe ich bald 25 Jahre mit Leib und Seele getan. Es ist nicht mehr meines. Meine Freude ist da, wo ich vermitteln kann. Das spürte ich klar und eben das habe ich auch kommuniziert.

Jedoch so einfach ist es nicht immer. Es müssen auch Stellen frei sein, Möglichkeiten geschaffen werden.  

Das - so schien es - war erst einmal das Ende meiner Bemühungen, mich beruflich umzuändern.
Und so war ich frustriert, trauerte noch meinem Chef nach, hatte angst, vor dem, was kommt, wusste nicht, wo ich hin gehöre - und fühlte mich, zumindest im Geschäftsleben alleine. Das Gefühl, dass alles sinnlos war, alle Bemühungen nicht wichtig, das hat mich schier aufgefressen. Und mich in ein Jammertal gehen lassen. Da lief ich dann erst einmal. Den Blick nach unten gerichtet. Und schaue ich nach unten, sehe ich die Schönheit nicht, die sich dennoch um mich zeigt. Also sehe ich auch keine Hinweisschilder.

Und in diesem Jammertal zeigte mir das Leben erneut eine Herausforderung.

Ich fand meine Mutter auf dem Boden liegend bei sich zu Hause.

Der Rettungsdienst ist schnell gerufen und auch im Krankenhaus war sie schnell, das läuft alles sehr gut. Jedoch so ein Wochenende in der Ungewissheit hat mich doch einige Dinge überdenken lassen. Was ist denn wichtig? Was ist mir wichtig? Was meiner Mutter?

Gedanken kamen auf, Sätze, die ich schon oft zu anderen gesagt habe, aber für mich selten beherzige.

Einer meiner Lieblingssätze:
Der liebe Gott fragt Dich am Ende Deines Lebens nicht, ob Du für die Arbeit alles stehen und liegen gelassen hast und dich voll eingebracht hat. Er fragt am Ende: Hast Du Dein Leben mit Freuden gelebt, hast Du gefunden, was Du suchtest?

Ob es jetzt Gott, Allah, der große Manitou oder die innere Weisheit ist - das alles ist für mich Eins. Wichtig ist der Satz an sich.

Noch während meine Mutter im Krankenhaus lag kam auf meinen Bruder und mich die volle Wucht der Bürokratie zu: Pflegeplatz finden, mit Hausarzt sprechen, Verträge mit Pflegeeinrichtungen durchgehen, Gespräche mit der Sozialstation im Krankenhaus führen, was getan werden muss, Pflegestufe beantragen, Geld vorstrecken, Freunde und Verwandte informieren.

Also, mir kam das vor wie ein enormer, kaum zu erklimmender Berg.
Und noch dazu stand ich ja schon in meinem persönlichem Jammertal von der Firma aus.

Irgendwann realisierte ich:
Ich kann nicht mehr.
Ich bin vollkommen überfordert.
Ich bin übermüdet.
Ich finde keinen Schlaf.
Ich habe keine Lust mehr.
Ich möchte, dass alles einfach so aufhört.

Jedoch, das tut es nicht.

Und dennoch machte ich weiter, ging weiter, versuchte, was ging - und kassierte die Rechnung, als ich vor Weihnachten meine Mutter aus dem Heim holte und mit meinem Mann und meinen Schwiegereltern eine Vorweihnachtsfeier organisierte. Mir selbst ging es so dermaßen schlecht, dass der ganze Tag für mich ein Spießrutenlauf und damit ein Fiasko wurde.

Über Weihnachten nahm ich mir eine Auszeit in den Bergen zusammen mit meinem Mann. Paar Tage über alles nachdenken und alles gehen lassen. Ich realisierte, dass ich zwar schon viele Krisen durchlebt hatte, ich mich jedoch immer auf eine Säule stützen konnte. Als mein Vater starb und privat viel zu tun war, hatte ich meinen damaligen Job als Ausgleich. Oder wenn es im Job nicht gut lief, hatte ich ein intaktes, funktionierendes Privatleben.

Jedoch, auch hier kam nun der dritte Moment: Ich selbst stand an dem Punkt, dass ich nicht mehr konnte. Dass ich nicht mehr weitergehen konnte. Trotz der Auszeit über die Weihnachtstage.  Einfach zusammen gebrochen.

Und nun stand ich da und musste Entscheidungen treffen.

Denn ich erkannte, es geht um mich.
Wenn ich ausgebrannt, fertig, am Ende bin, dann habe ich auch nichts mehr zu geben.
Nicht für mich. Nicht für meinen Mann. Nicht für meine Mutter. Nicht für den Job.

Innere Konflikte, innere Krisen, sind das, was uns weiterhilft.
Denn auch diese Konflikte eröffnen uns Wege, die wir vorher vielleicht gar nicht gesehen haben. In jedem Konflikt, also auch in jeder inneren Auseinandersetzung, besteht die großartige Möglichkeit, etwas Neues entstehen zu lassen, alternative Wege zu gehen und dies zuzulassen.

Im Annehmen dessen was war und im Erkennen meiner Bedürfnisse daraus habe ich für mich langsam erkannt, was für mich wichtig ist. Das ist erst der Anfang meines weiteren Weges. So wie jeder Schritt der Anfang des weiteren Weges ist.  

Ich bin Mediatorin, weil ich genau diese Möglichkeiten aus Konflikten sehe.
Ja, oft sehe ich sie bei anderen eher als bei mir. Doch auch das ist ein Weg. Erfahrungen helfen mir, klarer zu sehen, bei mir und bei anderen.

Ich bin Mediatorin.
Ich bin FriedensStifterin.
Ich bin KonfliktLöserin.

Das bin ich nicht nur im Beruf, sondern das bin ich einfach so. Egal ob ich irgendwo als Assistenz angestellt bin oder als Tochter unterstützend unter die Arme greife. Das ist was ich bin und was ich mache.

Der Weg zum Frieden beginnt immer mit dem ersten Schritt.
Mein erster Schritt in diesem inneren Konflikt der mich die letzten Monate begleitet hat, ist, eine klare Linie für mich zu finden. Und mir selbst mehr Raum zu geben. Dadurch kann ich auch anderen mehr Raum geben.
Es ist Platz für alle hier.

Und: ich werde zur Schöpferin. Zur Schöpferin von mir, meinem Business und damit meinem Leben.

Mittlerweile sage ich Danke. Aus vollem Herzen.
Danke an das Leben und seine Prüfungen.
Danke an diejenigen, die mich immer unterstützen, die an mich glauben.
Danke an meinen Mann, der immer für mich da ist.
Danke an meinen Bruder, der mir ab und an auch die Leviten liest.
Danke an meine Mama, die selbst in ihrer großen Not ihrer Tochter zuhört.
Und danke an mich, dass ich gerade dabei bin, wieder aufzustehen.

Und ich bin sehr dankbar für diese gesamte Erfahrung.
Sie befähigt mich, genau das weiterzugeben. Sowohl Innere Konflikte als auch Konflikte mit Anderen können uns helfen, aus uns heraus zu wachsen. Wenn wir den Mut haben, sich ihnen zu stellen und uns auch ehrlich ins Gesicht zu sehen. Unsere Gefühle anzuerkennen, unsere Bedürfnisse zu sehen, die hinter der Position stehen, die wir meinen, einnehmen zu wollen.

Mein ganz besonderer Dank gilt Doris Cynis, https://www.naturwesen-doris.de , die mir geholfen hat, wieder aufzustehen. Die mir liebevoll und klar aufgezeigt hat, dass das Leben aus so Vielem besteht. Die mir den Glauben an mich wieder gegeben hat und in diesem Tal mir den Weg in meine ganz persönliche Freiheit aufzeigte.


©Sabine Kupfer
https://www.sabine-kupfer-mediation.de

Gib jedem Tag die Chance

Kommentare


Datenschutzerklärung